Bedienung und Fahrverhalten eines Quads


Vorwort:

Ein Quad ist eine eigene Fahrzeuggattung. Es verhält sich dementsprechend komplett anderes als ein Auto oder ein Motorrad. Also fangt bitte als Neuling ganz langsam an. Lernt euer Quad erst richtig kennen und steigert euch von Mal zu Mal. Dies gilt auch nach jedem Fahrzeugwechsel.

Auf Youtube ist ein sehr oft angeklicktes Video zu dem Thema: „Wie fahre ich ein Quad richtig“ zu finden. Wovon wir aber Abstand nehmen. Es ist einfach nicht für den deutschen Markt entwickelt und enthält viele Fehler in Wort und Bild.  Mehr dazu später…

Jedes Quad oder ATV kann natürlich etwas von der untern auf geführten Beschreibung etwas abweichen, je nach Funktionsumfang und Ausstattung. Wir gehen aber auf die gängigsten Bedienelemente ein.

 


Bedienung eines Quads

Das Display:

Hier das Cockpit  einer CF800 / X8 / Terralander  mit EPS


 

In der obere Reihe wird farblich der eingelegte Gang ( P für Parken) angezeigt. Zum Weiteren finden sich dort die Kontrolllampen für Blinker, EPS, Warnanzeige und das Licht.

Darunter befindet sich mittig die Geschwindigkeitsanzeige und der Kilometerzähler. Nur bei wenigen Modellen lässt sich (z.B.: bei der CF800) zwischen Gesamtkilometer, Tageskilometer, Boardspannung, Drehzahl, Helligkeit  oder Sonstigem hin und her wechseln.

Auf der linken Seite des Displays, wird Anhand der Anzahl der angezeigten Räder dargestellt, ob man mit Heck oder Allradantrieb unterwegs ist. Beim Aktivieren der Differentialsperre würde noch die Meldung "Diff Lock" erscheinen. Darunter befindet sich die Tankanzeige.

Auf der rechten Seite erkennt man eine Uhr und darunter  die Kühlwassertemperatur.

Bunte Displays mögen vielleicht auf den ersten Blick toll und modern wirken. Im alltäglichen Gebrauch sind sie sehr schwer abzulesen.

 

Die Schaltung:

Es gibt zwei Varianten,  einmal Quads mit Fußschaltung wie beim Motorrad oder eben Quads mit Automatik.  Wobei Zweiteres  nicht ganz korrekt ist, denn es ist kein schaltendes Automatikgetriebe wie im Auto, sondern eine Art Variomatik, wie sie bei  50 bis 125 ccm Rollern verbaut sind.   Der Antrieb erfolgt über einen Riemen, der auf zwei längs geteilten, kegeligen und durch Fliehkraft sich verstellenden Riemenrädern läuft. Bei der Verlagerung der Riemenscheibenhälften findet eine stufenlose Änderung des Übersetzungsverhältnisses statt.  

 

Quads mit manueller Fußschaltung:

Im Straßeneinsatz und auf schnellen Strecken kann die Fußschaltung ganz angenehm sein und es lassen sich deutlich höhere Endgeschwindigkeiten dadurch erzielen. Bei den Schaltfahrzeugen ist der linke Lenkerhandhebel, wie bei einem Motorrad, die Kupplung zum Trennen der Gänge. Es gibt auch hier einen Rückwärtsgang.

 

Quads mit automatischer Schaltung:

Wie bei einem Automatik-Wahlhebel im Auto verfügt das Variomatik ATV auch über einen Wahlhebel für das Getriebe. Diese verfügt über folgende Schaltstufen:

L = Low (wie H, jedoch mit Vorgelege, oder Getriebeuntersetzung) = max. Kraft

H = High (von null bis max. Geschwindigkeit im Vorwärtsmodus)

N = Neutral

R = Rückwärtsgang, ebenfalls stufenlos

P = Parken (Achse wird blockiert und Fahrzeug kann nicht mehr wegrollen)

Ein ändern des Ganges darf nur im vollkommen Stillstand des Quads erfolgen! Zum Einlegen oder Wechseln der Gänge bei der Variomatik, muss die Hinterradbremse betätigt werden. Bei allen Modellen über das Fußbremspedal, bei einigen Modellen auch wahlweise über den linken Handbremshebel möglich.

 

Der Allradbetrieb und die Differenzialsperre:


Rechts am Lenker befindet sich in der Regel ein Doppelschalter. Drückt man den  roten Knopf, wird der Allradbetrieb zugeschaltet. Gekennzeichnet ist er mit 2WD / 4WD. Erst jetzt ist man in der Lage einen Hebel von links nach rechts zu schieben. Mit dem freigelegten gelben Schalter,mti der Aufschrift Lock / 4 WD,  kann eine zusätzliche Differenzialsperre zugeschaltet werden. Achtung:  Allrad oder Differenzialsperre dürfen nur im Stillstand des Quads zugeschaltet werden! Beim Allradbetrieb und noch mehr bei zugeschalteter Differenzialsperre lässt sich das Fahrzeug wesentlich schwerer lenken. Man sollte diese Einstellungen jedoch auch nur in Extremsituationen zuschalten, wenn mit dem normalen Antrieb von nur einer Achse nichts mehr geht, oder in extrem schwierigen Gelände, wo man jede Sekunde damit rechnen muss, dass es nicht mehr weiter gehenkönnte. In der Regel befindet man sich in solch schwierigen Situationen in der Getriebestellung „Low“. Das schwergängige Lenken erinnert jedoch bei schnelleren Passagen uns daran, den Allradmodus wieder abzuschalten.

 



Weitere Bedienelemente:


Weitere Bedienelemente eines Quads sind der Knopf zum betätigen der Zündung. Bei meiner  CF-Moto X8  ist er grün aber oftmals ist er bei anderen Modellen auch in der Farbe gelb gehalten. Das Symbol des Blitzes im kreisförmigen Pfeil ist aber genormt. Darunter sind Taster für Blinker, Warnblinker, der Motor-Notausknopf und die Hupe.  Oben  befindet sich ein Schieberegler für die verschiedenen Lichteinstellungen. Da Quads mit LOF Zulassung  über eine Nebelschlussleuchte verfügen müssen, gibt es noch einen Extraschalter rechts.


Zusätzlich zur Serienausstattung wurden hier noch  ein Kippschalter (blau) für Arbeitsscheinwerfer, ein Schalter mit der Aufschrift Out /In zur Bedienung der Seilwinde und das Bedienpanel für eine Griffheizung angeracht.

 

Das Bremsen:

Bei Quads mit Handschaltung  bremst  man mit dem Bremshebel rechts am Lenker die Vorderachse. Die Fußbremse stoppt die hinteren Räder.

 

Bei Quads mit  Variomatikgetriebe verhält es sich genauso wie bei Quads mit Handschaltung. Nur dient hier der linke Handhebel am Lenker zusätzlich zum Bremsen der Hinterräder.

 

Das Gas geben:

Fast ausschließlich ist der Gashebel beim Quad ein Daumenhebel. Sitzt man als routinierter Motorradfahrer das erste mal auf einem Quad, spukt  der  Umbau auf einen gewohnten Drehgasgriff im Kopf herum. In der Realität ist das Daumengas aber die perfekte Lösung, denn das Fahren und Lenken erfordert in engen Kurven, Berg- und Talfahrten oder im Gelände hohen Körpereinsatz.  So wird auch jeder frühere Motorradfahrer  schnell merken, dass man sich mit dem Quad nicht in die Kurven legen kann. Beim Drehgasgriff verkrampft man Hand und Arm viel zu sehr. Bei gleichzeitig kraftaufwendigen Lenkbewegungen ist das Drehgas eher hinderlich und sorgt für einen tauben Daumen.


Beim Daumengas hat man mit der rechten Hand, den Lenker immer noch fest im Griff und der Daumen ist im Fall der Fälle schnell weg vom Gashebel. Beim Drehgasgriff geht das nicht so abrupt von statten, da man ja gleichzeitig mit der verkrampften Gashand den Lenker bewegen muss. Bei reinem Straßenbetrieb mag das Drehgas für den ein oder anderen nützlich sein, im Gelände ist Daumengas aber die eindeutig bessere Wahl.


Fahrverhalten mit einem Quad


Wie Quad fahren?

Beim Durchfahren von Kurven muss man sein Körpergewicht entgegengesetzt der Fliehkraft verlagern. Das bedeutet beim Beispiel einer Rechtskurve neigt das ATV zum Umkippen nach links und mit dem Verlagern des Körpergewichts nach rechts  wirkt man so der Fliehkraft entgegen. Die Kurve kann so schneller und gefahrloser durchfahren werden. In Linkskurven verhält es sich genau umgekehrt. So nochmal in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht.

 

 

Linkskurve = Körpergewicht nach links verlagern

Rechtskurve = Körpergewicht nach rechts verlagern

 

Bergauf wird das Körpergewicht komplett nach vorne verlagert, in  steilen Bergpassagen am besten stehend über den Lenker nach vorne beugen. Bergab verlagert man sein Gewicht so weit wie möglich nach hinten, denn der maßgebliche Lenkvorgang wird immer noch über den Einschlag des Lenkers vorgegeben. In Extremsituationen, kurz vor dem Sichern mit der Seilwinde, kann es für Vollblut Profis auch schon mal hilfreich sein, den Körper auf den vorderen oder hinteren Gepäckträger zu begeben und von dort aus das Quad zu fahren. Um mehr Platz zu haben, montieren Profisportler aus diesem Grund keine Koffer auf ihre Vehikel. Bodenwellen und Unebenheiten werden in der Regel im Stehen gemeistert.




Das horizontale fahren in einem Berg sollte so gut es geht vermieden werden. Bergauf und bergab ist schon tückisch, jedoch seitliches Fahren im Gefälle ist sehr gefährlich. Erfahrene Fahrer  stehen dabei mit beiden Beinen auf dem Trittbrett, welches dem Berg zugewandt ist, möglichst auf der rechten Seite, da man sonst nicht mehr an den Gashebel kommt. Man muss wissen, dass  ATV’s fürchterlich kopflastig sind und dass umso mehr, je schmaler die Spur ist. Profis wissen deshalb eine breite Spur durch verbauen von  Spurplatten zu schätzen. Beim Kauf von Spurplatten bitte auf eine gültige ABE für euer Fahrzeug achten.  Eine ABE ist aber nur für wenige Fahrzeugmodelle verfügbar und ein Materialgutachten hat keine Rechtsgrundlage. Ein weiterer Nachteil von Spurplatten ist, dass diese auf Material gehen! Sprich es herrschen größere Hebelkräfte, da die Spurplatten nur auf Bolzen und nicht wie beim Auto auf einem Zentrierring sitzen. Für ATV’s mit LOF Zulassung empfehle ich daher immer nur Felgen mit entsprechender (breiterer) Einpresstiefe. Sie sind zwar erheblich teurer als Spurplatten, dafür aber legal und belasten nicht die Radaufhängung.

 

 

Das Bremsen:

Den Spruch: „wer bremst – verliert!“ kennt jeder.
In der Realität gilt jedoch: „wer gar nicht oder falsch bremst, verliert immer!“.

 

Autos werden heute serienmäßig ab Werk mit ABS ausgeliefert. Bei Quads sucht man dies aber vergeblich.

Zwar übernimmt die Vorderbremse bei allen Fahrzeugen die überwiegende Bremsleistung. Auf trockenen und geraden Strecken gilt diese Regelung natürlich noch immer, dass vorne die größte Bremskraft herrscht. In Kurven oder auf unbefestigten Untergründen kann zu viel Bremsleistung auf den Vorderrädern jedoch schwerwiegende Folgen haben. Unterstützt durch die Fliehkraft wird das Quad oder AVT, wie oben beschrieben, beim Bremsen in die Richtung der Fliehkraft geschoben und diese Richtung weicht eben von der Richtung ab, in die man seinen fahrbaren Untersatz lenken möchte. Bremst man mit der Vorderradbremse auf rutschigen Untergründen in einer Kurve zu stark ab, lässt sich  das Fahrzeug nicht mehr lenken und rutscht  geradeaus weiter. Man sollte also in solchen Situationen möglichst auf die Vorderbremse verzichten, oder diese nur ganz fein dosiert einsetzen.

 

Das bremsen im Gebirge verhält sich ähnlich wie die Verteilung des Körpergewichts beim befahren eines Berges. Es wird immer mit der zum Berggipfel gerichteten Bremse gebremst. Bei steiler vorwärts gerichteter Bergabfahrt im Gelände bitte nutzt die Motorbremse und nur hinten bremsen! Hierbei dürfen die Räder ohne weiteres auch blockieren.  Hände weg von der Vorderradbremse! Ansonsten besteht das ihr den Abhang hinunter purzelt. Nehmen wir einmal an Ihr fahrt einen Berg hinauf und müsst  aus unvorhergesehenem Grund z.B.  Wildwechsel anhalten. Habt ihr dann beim Anfahren keine Traktion mehr, so ist ein Bergauf  anzufahren unmöglich. Der einzige Ausweg den ihr noch habt,  ist nur noch der Weg nach unten und zwar rückwärts. Wir erinnern uns. Welche Bremse dürfen wir einsetzen? Richtig, die zum dem Gipfel hin gerichtete. Das ist in diesem Fall die Vorderbremse. Bergabwärts sachte lenken und ihr kommt völlig ungefährlich und wohlbehalten unten wieder an.

 

 

 

 

Der Fahrbahnuntergrund:

 

Das Fahrverhalten unterscheidet sich enorm, je nachdem wie der Untergrund beschaffen ist. Auf  fest Untergrund wie z.B.: Straße fährt es sich ganz anders als auf losem Schotter oder Sand. Hier  ist auch „Sliding“ ein interessantes Thema. Hier wird mit sensibler Hand am Gashebel, im Stehen das Heck zum Rutschen und seitlichen Ausbrechen gebracht. Diese Übung ist auch eher etwas für Fortgeschrittene. Steine und Geröll gehören zu den anspruchsvollsten Fahrbahnuntergründen. Ein Befahren erfordert  viel Erfahrung, hohe Konzentration und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn.  Um alles hier genau aufzuführen, würde den Rahmen der Homepage sprengen. Aber um bei dem Thema zu bleiben. Natürlich muss man auch hier differenzieren welches Gefährt man bewegt und welche Reifen montiert sind. Die Asphaltkratzer auf ihren Supermoto’s fahren ganz andere Fahrzeuge, als ich  Geländefreak. Mit meinem ATV und Stollenreifen fühle ich mich auf der Straße jedenfalls fehl am Platz und ich versuche immer ein Stück Natur unter die Reifen zu bekommen.

 

 

 

Zum Abschluss noch einmal mein altbewährter Rat:

Fangt langsam auf einfachem Terrain an und steigert euch langsam! Lasst euch auch nicht von anderen drängen etwas auszuprobieren was ihr euch nicht zutraut. Dann sollte nichts schiefgehen.

 

!!Und allzeit gute Fahrt!!